Die Wunder von der Weser - und jetzt die Rangers
März 11, 2008Der Fußball, so suggeriert der Volks- und Fanmund, gehorcht einigen wenigen Grundregeln. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze ist eine davon, auch wenn die Tatsache, dass professionelle Drittligisten wie Dresden oder die zweiten Mannschaften von Spitzenteams in einem Spiel einen Bundesligisten besiegen zwar überraschend, aber sicher keine Sensation ist. Außerdem gewinnen Engländer nie ein Elfmeterschießen und die Niederlande nie einen großen Titel. Diese Reihe ließe sich noch lange fortsetzen, an dieser Stelle interessiert aber in erster Linie ein Mythos, der am Donnerstag wieder beschworen wird - und zwar der des Wunders von der Weser. Das beschreibt die Angewohnheit des an besagtem Fluß ansässigen Fußballklubs Werder Bremen, in Europapokal-Rückspielen selbst aussichtslose Rückstände noch aufzuholen. Erinnert sei hierbei an den 6:2-Sieg nach Verlängerung gegen Spartak Moskau nach einem 1:4 im Hinspiel 1987, das 5:0 gegen Dynamo Berlin nach einer 0:3-Hinspiel-Niederlage 1988 und den 5:3-Sieg gegen den RSC Anderlecht nach 0:3 Pausenrückstand 1993. Oft genug war die Hoffnung auf Bremer Wunder jedoch trügerisch. Noch frisch ist die Wunde des letztjährigen UEFA-Cup-Halbfinals, als das Aufholen des 0:3 gegen Espanyol Barcelona nach dem frühen 1:0 wie selbstverständlich erschien, die einzige Schwalbe in Miroslav Kloses Karriere in Kombination mit einem überaus strengen Schiedsrichter aber die frühzeitige Unterzahl der Bremer und damit das Ende aller Träume bedeutete. Etwas länger her, aber umso bitterer war es, als Werder aufgrund mit einem 0:3 aus dem Heimspiel im Gepäck nach Lyon fuhr. Die stets wundergläubigen Fans träumten von einem schnellen Tor und dann vielleicht noch einem, und dann wäre es schon wieder spannend. Die Tore fielen auch, nur spannend wurde es nicht mehr, denn Lyon siegte mit 7:2.
So schlimm wird es dann donnerstags gegen die Rangers sicher nicht kommen. Die Bremer hatten ein bißchen Luft seit Samstag, die Ruhe von Thomas Schaaf wird ihr übriges tun, um die Bremer auf einen schönen Europapokalabend einzustellen. Einem Wunder käme es zwar nicht gleich, wenn der SVW die Schotten besiegt, doch Balsam auf die Wunden nach der quasi verpassten Meisterschaft wäre ein Weiterkommen sicher. Es wird auch mal wieder Zeit, dass ein deutscher Klub einen internationalen Titel holt. Mit den besten vier Teams der Liga ist die deutsche Fraktion im Achtelfinale gut aufgestellt, um noch ein wenig weiter zu kommen. So auch Werder, denn dieses Mal müssten das Team nicht einmal eines ihrer Wunder bemühen, sondern einfach ihre Stärken gegen die Rangers ausspielen, um ins Viertelfinale einzuziehen. In Hoffnung auf einen spanenden Fußballabend tippe ich also auf ein 4:1 nach Verlängerung!
Verfasst von blogckm