History repeating

März 2, 2008

Jede Saison gibt es eine Mannschaft, die für alle komplett unerwartet auf einmal gegen den Abstieg kämpft. Letztes Jahr war es der HSV, der die Saison zuvor Platz 3 belegt hatte und sich mit Spielern wie Kompany oder Guerrero durchaus sinnvoll verstärkt hatte - zu Beginn der Rückrunde waren die Hamburger plötzlich Letzter. Bayer Leverkusen ereilte ein ähnliches Schicksal einige Jahre zuvor, deren Rettung war noch um einiges knapper als die des HSV. Und Ende der 90er Jahre trat für den 1. FC Kaiserslautern gar der worst case ein- ein Team, das personell Potenzial für einen UEFA-Cup-Platz hatte, stieg in die zweite Liga ab.

Dieses Jahr spielt dieser 1. FC Nürnberg diese undankbare Rolle. Letztes Jahr noch Pokalsieger und in der Bundesliga Überraschungs-Sechster, wurde das Team für diese Saison sinnvoll mit den begehrten Mittelfeldspielern Misimovic und Kluge und weniger sinnvoll mit dem limitierten Charisteas verstärkt. Der Verlust des Stammtorhüters Raphael Schäfer sollte durch den tschechischen Routinier Jaromir Blazek aufgefangen werden. Die Wunschelf, die angefangen vom sicheren Innenverteidiger Andreas Wolf über das starke Mittelfeld um Galasek und die talentierten Misimovic, Kluge oder Engelhardt bis in den Sturm zu Robert Vittek, wäre von den Namen her durchaus ein Platz unter den ersten fünf zuzutrauen gewesen - doch es kam anders. Woran aber liegt es, dass eine Saison so vollkommen aus den Fugen geraten kann?

Bei Nürnberg fängt das Problem im Tor an. Jaromir Blazek ist zwar nicht so schlecht, wie er aktuell gerne gesehen wird, doch ein Torhüter für Unhaltbare, ein Torhüter der Spiele gewinnt ist er nicht. Anders als Raphael Schäfer letzte Saison, den seine Nürnberger Leistungen in die Nähe der Nationalelf gebracht haben. Die Mittelfeldachse, die zu den besten der Liga gehören könnte, ruft ihr Leistungsvermögen nicht ab. Der seit jeher begabte Engelhardt schafft den Sprung zur Tragsäule einer Mannschaft nicht und wird auf der linken Seite auf jeder Position ausprobiert, ohne vollends zu überzeugen. Kluge und Misimovic enttäuschen zwar nicht, können das Ruder aber ebenso wenig rumreißen wie der stille Galasek. Im Sturm enttäuschen Charisteas und Vittek um die Wette - zusammenfassend ruft also kein Spieler das ab, wozu er im Stande ist. So findet sich das ganze Team in einer Situation wieder, die die Spieler selbst genauso überrascht wie das euphorische Umfeld. Der ausbleibende Erfolg bedingt über die allgemeine Verunsicherung weitere ausbleibende Erfolge. Ein Ausbruch aus diesem Teufelskreis ist extrem schwierig.

Der HSV hat letzte Saison den turn around über den Trainerwechsel von Thomas Doll zu Huub Stevens und die Verpflichtung von Frank Rost, die einen Schwachpunkt im Team in eine tragendes Element verwandelte, geschafft. Nürnberg versucht offenbar das gleiche. Thomas von Heesen gibt auch sofort den strengen Trainer, der die Schuld für Gegentore und Niederlagen entgegen üblicher Trainergepflogenheiten öffentlich einzelnen Spielern gibt. Der erfahrene Tscheche Jan Koller soll den Nürnberger Rost geben. Leistungsmäßig ebenso über jeden Zweifel erhaben wie Frank Rost bleibt zweifelhaft, ob er die gleichen mannschaftsführenden Qualitäten wie der Hamburger Schlussmann hat. Nächste Woche spielen die beiden Teams im Frankenstadion (der aktuelle Name des Stadions geht mir nicht über die Lippen) gegeneinander. Es gilt für den Club, das Ruder schnell rumzureißen, am besten gleich gegen den HSV. Ich werde dann übrigens live im Stadion dabei sein und freue mich auf ein dramatisches Spiel, bei dem ich mein Bestes gebe, den FCN zu drei Punkten zu brüllen. Denn ein Team dieser Qualität, so viel steht fest, gehört allemal in die Bundesliga.


Der ewige Patient

Februar 29, 2008

Am Samstag spielt Schalke gegen Bayern. Das ist mir aber eigentlich egal, denn Bayern wird eh immer Meister und Schalke eh nie. Fußball ist da ganz einfach und funktioniert nach solchen Gesetzmäßigkeiten. In der Bundesliga wird meistens Bayern Meister, manchmal Bremen oder Stuttgart und früher noch Kaiserslautern. Leverkusen und Schalke werden nie Meister, und Bochum und Nürnberg steigen auch dann nochmal ab wenn man schon dachte, die wären jetzt stabil. Von daher interessiert mich das Bayern-Spiel morgen nicht.
Viel interessanter ist da schon Rostock gegen Bielefeld. Die Arminia ist schon ein Fall für sich. Wen das Schicksal dazu vorgesehen hat Bielefeld-Fan zu werden, der lernt früh, regelmäßig mit Nackenschlägen umzugehen. Die Zeiten unter Rapolder, als Bielefeld zur soliden Mittelfeldmannschaft mutierte, gilt in Ostwestfalen heute wahrscheinlich als goldenes Zeitalter. Artur Wichniarek bekam hier den Spitznamen “König Artur”, und einen besseren Torwart als Mathias Hain finden sie dort seit Jahren nicht. Wem das alles noch nicht als Beleg ausreicht wie trist das Bielefelder Fan-Dasein ist, dem sei der von den Bielefelder Fans gewählte “Trainer des 20. Jahrhunderts” genannt - Ernst Middendorp. Eben jener Middendorp, der letzte Saison als Heiland zurückkehrte und den ostwestfälischen Moses gab, der Bielefeld in der Bundesliga hielt, nebenbei aber auch für Schlagzeilen sorgte, als er eines Nachts spontan seine Fahruntüchtigkeit erkannte und an der Landstraße ein Nickerchen einlegte, aus dem die Staatsgewalt ihn unsanft aufweckte. Diese Saison war der Middendorp-Effekt schon wieder verflogen, der Ausfall eines einzigen Innenverteidigers ruinierte das komplette Team und hatte unter anderem ein 1:8 in Bremen und ein 1:6 in Dortmund zur Folge, bei dem sich sogar Tinga und Nelson Valdez in die Torschützenliste eintragen konnten. Der Wechsel von Middendorp zu Michael Frontzeck hat sich nur insofern ausgezahlt, als dass die Arminia jetzt nicht mehr so hoch verliert, dafür aber ausnahmslos gegen jeden, sei es Jena oder Duisburg. Das 0:2 gegen den MSV war dann der vorläufige Tiefpunkt. Das Spiel gegen Rostock wird eine Vorentscheidung im Abstiegskampf - wenn die Arminia schon wieder verliert, und sei es auch unglücklich und so, dass Michael Frontzeck seiner Mannschaft dabei keinen Vorwurf machen kann - dann war es das wohl. Oder die Arminen holen Middendorp zurück, Gehalt kriegt er ja sowieso noch. Von daher werde ich morgen am Radio sitzen und auf die Torschreie auf Rostock warten. Das ist viel spannender als Schalke, Bayern oder Hamburg - das ist Fußball!


Van Bommel lehnt Sperre ab…

Februar 28, 2008

…schreibt SpiegelOnline.

Ja, dann muss der DFB sich wohl entschuldigen, und die Sperre hat sich damit erledigt. Die sind schon lustig, die Bayern…


Hertha gegen Duisburg

Februar 28, 2008

Morgen beginnt der 22. Spieltag der Bundesliga, und zwar mit dem Straßenfeger Hertha gegen Duisburg. Das ist eines der Spiele, von denen ich gern sage, sie müssen gar nicht angepfiffen werden - das Ergebnis ist egal, weil Hertha nicht absteigt und auch sonst nichts reißt, Duisburg sowieso absteigt, und Fans, die das Spiel dann doch interessieren könnte, haben beide nicht. Damit sich die 17 000, die sich doch noch ins Olympiastadion verirren, auch richtig ärgern, tippe ich auf ein torloses Unentschieden bei einer Außentemperatur von 3 Grad und einem BVG-Streik auf der Rückfahrt. Viel Spaß!