Messis WM

Schlicht und einfach – das war beeindruckend. Es war beeindruckend, wie Deutschland in die WM gestartet ist, viel stärker als die vorher als Favoriten gehandelten Engländer, Franzosen und Argentinier. Auch die Mahner, die jetzt sagen, dass Australien gar nicht so stark ist, können die Stimmung kaum trüben, weil sie unrecht haben. Australien ist nicht schlecht, das werden Serbien und Ghana noch spüren. Sie haben nur gegen einen extrem gut eingestellten und auf den Punkt vorbereiteten Gegner gespielt. Und gegen einen überragenden Mesut Özil.

Warum sie ihn in Bremen schon kurz nach seiner Verpflichtung “Messi” gerufen haben, konnte gestern jeder sehen. Wie der Weltfußballer war Özil der, der die besonderen Momente kreierte, der die Pässe spielte, die für Aufregung sorgten. Wie Messi gegen Nigeria war Özil leider auch der, der genug Chancen für zwei Spiele hatte, aber keine davon verwandelte, aber das macht die Parallelen ja fast noch anschaulicher.

Dass Mesut Özil ein toller Fußballspieler ist, wissen die deutschen Fans natürlich schon länger. Auch international machte er schon auf sich aufmerksam, vor allem bei der U21-Europameisterschaft, bei der er die deutsche Mannschaft zum Titel führte und bester Spieler des Turniers war. Das Spiel gestern vor den Augen der ganzen Welt aber war Özils Eintritt in die Welt der ganz Großen. Die kommenden deutschen Gegner werden sich extra für ihn Verteidigungsstrategien ausdenken müssen wie man das sonst tut, wenn beim Gegner Messi, Rooney oder Ronaldo spielt, und so beweglich und omnipräsent wie Özil gestern war bin ich schon gespannt, wie die aussehen werden (wobei ich bei den Serben eine Idee  habe und Özil zwei bis drei Voltaren vor dem Spiel empfehle).

Bei Werder Bremen wird man diese Entwicklung zwiespältig sehen. Spielt Özil so weiter, wird er zum Wunschspieler für all jene schwerreichen Klub-Eigner, die ihren Fans nach dem Turnier die WM-Stars präsentieren möchten. Das heißt natürlich auch, dass die Bremer viel Geld einnehmen können, viel mehr als die fünf Millionen, die sie einst für Özil an Schalke überwiesen haben (wie wohl die Menschen geschlafen haben, die diesen Transfer bei Schalke zu verantworten hatten? Allein für den Özil-Transfer müsste man Andreas Müller nochmal feuern). Es war ja immer schon wahrscheinlich, dass Özil eines Tages aus dem Werder-Trikot herauswachsen würde, dass seine eigentliche Bestimmung ist, bei einem ganz großen Verein zu spielen. Gestern hat Özil gezeigt, dass es schon so weit ist.

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