Take me out to the Ball Game – ein Besuch im Baseballstadion
von Marcs Udo Lattek
Lange hatte ich mich gesträubt, zu einem Baseballspiel zu gehen – zu langweilig wirkt der Sport im Fernsehen, irgendwie passiert die meiste Zeit auch nichts. Letztes Wochenende, anlässlich des Besuchs eines Freundes, sprang ich aber über meinen Schatten und machte mich auf in den Fenway Park, in dem die Boston Red Sox ihre MLB-Heimspiele austragen.
Das Ticketsystem der Boston Red Sox ist verwirrend. Ein Großteil der Tickets wird zu Saisonbeginn verkauft, meist wohl von Händlern. Bis zum Spieldatum wechseln die Karten dann mehrfach den Besitzer, wobei sich deren Wert von Verkauf zu Verkauf vermehrt, bis dann schließlich jemand wie ich sie für den angedachten Zweck erwerbe. So zahlte ich dann das Fünffache des aufgedruckten Preises – ein guter Start in das Erlebnis Baseballstadion.
Der Fenway Park wurde 1912 gebaut und ist der älteste noch benutzte Ballpark in den USA. Für jeden Groundhopper ist dieses Stadion ob seiner Historie Pflicht, was dazu führt, dass der Fenway Park bei meinem Besuch zum 494. Mal hintereinander ausverkauft war.
Beim Baseball spielt man in Serien gegen ein Team, das zu Besuch ist. In meinem Fall waren die Texas Rangers übers Wochenende dreimal Gegner der Red Sox. Beide Teams haben mehr Siege als Niederlagen auf dem Konto und liegen auf Play-Off-Kurs – hochklassiges Baseball war also zu erwarten, doch das ist bei einem Stadionbesuch eher zweitrangig. Take me out to the Ball Game ist das Motto – beim Baseballbesuch geht es nicht in erster Linie um Sport, sondern eher darum, ein paar lustige Stunden mit Freunden bei ein paar Bieren zu verbringen.
Wir schlossen uns dieser Art an, denn das Spiel ist irgendwie mit einem 0-0 zwischen Hertha BSC und Arminia Bielefeld zu vergleichen. Ein lauer Sommerabend auf der Tribühne ist das Geld jedoch wert. Wie gelbe Ameisen schwirren die Essensverkäufer durch die Reihen und versorgten die Zuschauer mit Junkfood. Wir hielten uns ans Stadionbier für 7.25 Dollar. Ab und an wird unten mal der Ball getroffen, und die Crowd wird wild – als Beleg dieses Video, bei der eine Zuschauerin zum Home Run tanzt:
Nach dem siebten Inning wird gesungen und getanzt. Zunächst ertönt der Baseballklassiker schlechthin, “Take me out to the Ball Game” von Tin Pan Alley:
Hier noch eine schöne Interpretation aus Boston:
Danach singen die Massen im Fenway Park dann die Red-Sox-Hymne “Sweet Caroline”:
Dann war es auch schon zu Ende, Boston gewann mit 8:1. Den Ehrentreffer der Rangers haben wir verpasst und schlossen uns den Massen an, die frühzeitig das Stadion verließen, um den Abend in einer der umliegenden Sportsbars ausklingen zu lassen.
Mein Fazit: Baseball ist zwar kein besonders aufregender Sport, aber immer gut für einen spaßigen Abend im Stadion.
Explore posts in the same categories: Nicht kategorisiertSchlagwörter: Baseball, Boston Red Sox
You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.
9. Juli 2009 um 20:24
Ich bin nun gut seit der Hälfte meiner Lebenszeit diesem Sport verfallen. 1988 gewann die Los Angeles Dodgers die World Series und ich sah einen „Sportspiegel“ (ZDF) darüber. Die Reportage fiel auf fruchtbaren Boden, kurz zuvor hatte ich erstmals mit Freunden auf einer Wiese selbst versucht, mit einem Schläger den Ball zu treffen.
Anfang der 90er gründete ich mit eben diesem Freunden einen eigenen Baseballclub. 12 Jahre spielte ich selbst, wurde Schiedsrichter, bis meine Familie wuchs und sich meine Prioritäten verschoben. Aber nach wie vor liebe ich dieses Spiel, und wenn ich ab und an nachts via Internet ein Spiel meiner Dodgers verfolge, ergreift mich sofort diese Stimmung, die es nur bei diesem Spiel so gibt. Das Rituelle, das Aktuelle im Vergleich mit den seit ewigen Zeiten geführten Statistiken, die stete Hoffnung auf das Überraschende, bis zum letzten At Bat. Vielmehr als nur ein Sport ist Baseball ein Gefühl.
„You can’t sit on a lead and run a few plays into the line and just kill the clock. You’ve got to throw the ball over the goddamn plate and give the other man his chance. That’s why baseball is the greatest game of them all.” Earl Weaver (Baseball-Manager, Hall Of Famer)
13. Juli 2009 um 06:52
[...] viel schwieriger ist es, wenn einem ein Sport wirklich wichtig ist. Vor rund 20 Jahren verliebte ich mich in Baseball. Noch ohne Internet gab ich ein Heidengeld für VHS-Aufzeichnungen von [...]