History repeating
Jede Saison gibt es eine Mannschaft, die für alle komplett unerwartet auf einmal gegen den Abstieg kämpft. Letztes Jahr war es der HSV, der die Saison zuvor Platz 3 belegt hatte und sich mit Spielern wie Kompany oder Guerrero durchaus sinnvoll verstärkt hatte – zu Beginn der Rückrunde waren die Hamburger plötzlich Letzter. Bayer Leverkusen ereilte ein ähnliches Schicksal einige Jahre zuvor, deren Rettung war noch um einiges knapper als die des HSV. Und Ende der 90er Jahre trat für den 1. FC Kaiserslautern gar der worst case ein- ein Team, das personell Potenzial für einen UEFA-Cup-Platz hatte, stieg in die zweite Liga ab.
Dieses Jahr spielt dieser 1. FC Nürnberg diese undankbare Rolle. Letztes Jahr noch Pokalsieger und in der Bundesliga Überraschungs-Sechster, wurde das Team für diese Saison sinnvoll mit den begehrten Mittelfeldspielern Misimovic und Kluge und weniger sinnvoll mit dem limitierten Charisteas verstärkt. Der Verlust des Stammtorhüters Raphael Schäfer sollte durch den tschechischen Routinier Jaromir Blazek aufgefangen werden. Die Wunschelf, die angefangen vom sicheren Innenverteidiger Andreas Wolf über das starke Mittelfeld um Galasek und die talentierten Misimovic, Kluge oder Engelhardt bis in den Sturm zu Robert Vittek, wäre von den Namen her durchaus ein Platz unter den ersten fünf zuzutrauen gewesen – doch es kam anders. Woran aber liegt es, dass eine Saison so vollkommen aus den Fugen geraten kann?
Bei Nürnberg fängt das Problem im Tor an. Jaromir Blazek ist zwar nicht so schlecht, wie er aktuell gerne gesehen wird, doch ein Torhüter für Unhaltbare, ein Torhüter der Spiele gewinnt ist er nicht. Anders als Raphael Schäfer letzte Saison, den seine Nürnberger Leistungen in die Nähe der Nationalelf gebracht haben. Die Mittelfeldachse, die zu den besten der Liga gehören könnte, ruft ihr Leistungsvermögen nicht ab. Der seit jeher begabte Engelhardt schafft den Sprung zur Tragsäule einer Mannschaft nicht und wird auf der linken Seite auf jeder Position ausprobiert, ohne vollends zu überzeugen. Kluge und Misimovic enttäuschen zwar nicht, können das Ruder aber ebenso wenig rumreißen wie der stille Galasek. Im Sturm enttäuschen Charisteas und Vittek um die Wette – zusammenfassend ruft also kein Spieler das ab, wozu er im Stande ist. So findet sich das ganze Team in einer Situation wieder, die die Spieler selbst genauso überrascht wie das euphorische Umfeld. Der ausbleibende Erfolg bedingt über die allgemeine Verunsicherung weitere ausbleibende Erfolge. Ein Ausbruch aus diesem Teufelskreis ist extrem schwierig.
Der HSV hat letzte Saison den turn around über den Trainerwechsel von Thomas Doll zu Huub Stevens und die Verpflichtung von Frank Rost, die einen Schwachpunkt im Team in eine tragendes Element verwandelte, geschafft. Nürnberg versucht offenbar das gleiche. Thomas von Heesen gibt auch sofort den strengen Trainer, der die Schuld für Gegentore und Niederlagen entgegen üblicher Trainergepflogenheiten öffentlich einzelnen Spielern gibt. Der erfahrene Tscheche Jan Koller soll den Nürnberger Rost geben. Leistungsmäßig ebenso über jeden Zweifel erhaben wie Frank Rost bleibt zweifelhaft, ob er die gleichen mannschaftsführenden Qualitäten wie der Hamburger Schlussmann hat. Nächste Woche spielen die beiden Teams im Frankenstadion (der aktuelle Name des Stadions geht mir nicht über die Lippen) gegeneinander. Es gilt für den Club, das Ruder schnell rumzureißen, am besten gleich gegen den HSV. Ich werde dann übrigens live im Stadion dabei sein und freue mich auf ein dramatisches Spiel, bei dem ich mein Bestes gebe, den FCN zu drei Punkten zu brüllen. Denn ein Team dieser Qualität, so viel steht fest, gehört allemal in die Bundesliga.
Tags: 1. FC Nürnberg, Bundesliga, Fußball, Hamburger SV
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