Die Korken haben heute geknallt in Turin, Bordeaux und Haifa. In Topf 1 haben nämlich die richtigen Kracher gelauert bei der Champions-League-Auslosung heute Abend. Doch statt Manchester United, dem AC Mailand oder den in diesem Jahr verheißungsvollen FC Arsenal bekamen sie die Bayern. Das war die schwächste Truppe aus dem Topf. So weit ist es gekommen mit dem deutschen Rekordmeister.
Übertrieben? Ein Blick auf den Kader bestätigt die These der Vorfreude in Haifa. Der Torwart – bloß die Karikatur seiner Weltklasse-Vorgänger. Die Innenverteidigung – nicht unter den Top 5 der Bundesliga, von CL-Maßstäben gar nicht zu reden. Das Mittelfeld – zwei Sechser, dafür kein Zehner und nur ein guter Außen. Der Sturm – klangvolle Namen, aber kein Konzept fürs Zusammenspiel.
Bei den Bayern ist viel falsch gelaufen in den letzten Jahren. Vor allem die Transferpolitik sorgt dafür, dass der Club den Anschluss verliert. Unter Klinsmann wurde der Kader nur mit Mitläufern ergänzt, von van Gaal ließ man sich Mittelmaß aus der holländischen Liga andrehen. Die bekannte Schwachstelle im Tor wurde ebenso wenig korrigiert wie das Fehlen eines zweiten Außenverteidigers von Format. Die Innenverteidigung war in Ordnung, bis man sich entschied, Lucio für ein paar Millionen an Inter Mailand zu verschachern. Dafür haben die Bayern zwei Klasse-Sechser, von denen immer nur einer spielen soll. Konzept oder Strategie im Aufbau einer Mannschaft? Nicht zu erkennen.
Heute nun der nächste Grund am Sinn und Zweck der bayrischen Transferpolitik zu zweifeln. Arjen Robben soll kommen. Ein zweifellos toller Spieler, der die Bundesliga bereichern wird. Robben ist aber weder Torwart noch Verteidiger, sondern ein offensiver Außen. Suchte van Gaal nicht eben noch einen Zehner?
Der FC Bayern steht vor einem Schicksalsjahr. Entweder schafft Louis van Gaal es, aus dem schlecht zusammengestellten Kader eine schlagkräftige Elf zu bauen, der einen der ersten drei Plätze in der Bundesliga erreicht und in der Champions League zumindest das Viertelfinale erreicht. Oder die Bayern verlieren endgültig ihren Nimbus als unangefochtene Nummer eins des deutschen Fußball, wenn diese beiden Ziele nicht erreicht werden. Hamburg, Bremen, Wolfsburg, Stuttgart, Hoffenheim – die Konkurrenz hat den Respekt verloren und ist bereit für den Königsmord. Auch wenn es sich die meisten Fußballfans kaum vorstellen können – auch große Vereine wie der FC Bayern können ihre über Jahrzehnte aufgebaute Dominanz auch einbüßen. Die Verantwortlichen an der Säbener Straße können sich das sicher nicht vorstellen – vielleicht blicken sie in ein paar Jahren aber genau auf die Jahre zwischen 2007 und 2010 zurück und erkennen die Jahre als Startpunkt ihres Niedergangs.
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