Kim Jong-il verschenkt Fernseher, Miroslav Klose marschiert in die Geschichtsbücher und Franck Ribéry verscherzt es sich mit dem sympathischen Raymond Domenech – hier ein Ausblick, was uns in den nächsten vier Wochen erwartet!
13. Juni: Arne Friedrich führt Deutschland gegen Australien als Kapitän aufs Feld, weil Philipp Lahm (Löw: „Ich habe taktisch andere Vorstellungen, wie ein moderner Außenverteidiger spielen sollte“) nur auf der Bank sitzt. Miroslav Klose („Ich freue mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte“) schießt Deutschland mit seinem Doppelpack zum 2:0-Erfolg.
14. Juni: Die WM wird von einem Ausbruch der Gewalt erschüttert. Die Niederlande spielen gegen Dänemark, und im zentralen Mittelfeld treffen Mark van Bommel und Christian Poulsen aufeinander. „Ich bin schockiert. In diesem Land passieren jeden Tag viele schlimme Dinge, aber so viel sinnlose Aggression habe ich noch nie erlebt“, sagt Südafrikas Präsident Jacob Zuma. Poulsen und van Bommel verstehen die Aufregung und sprechen von „ganz normalen Zweikämpfen“.
15. Juni: Nordkorea sorgt für eine Sensation und schlägt Brasilien 1:0. Kim Jong-il nimmt das zum Anlass für einen seiner seltenen öffentlichen Auftritte und verspricht jedem Spieler einen Farbfernseher (Bildschirmdiagonale 48 Zentimeter) und einen VHS-Videorekorder.
16. Juni: In Brasilien schlägt die Niederlage gegen Nordkorea hohe Wellen. Nationaltrainer Dunga muss ob der „nationalen Schande“ (Präsident Lula da Silva) zurücktreten. Nach der Absage von Winfried Schäfer wird Bora Milutinovic (65) Trainer der Selecao. „Wir brauchten einen erfahrenen Mann – und den haben wir bekommen“, zeigt sich Brasiliens Verbandspräsident Ricardo Teixeira zufrieden. Milutinovic freut sich ebenfalls: „Fast hätte ich die zweite WM in Folge nur im Fernsehen angucken können! Ich bin überglücklich!“, frohlockt er bei seiner Vorstellung.
18. Juni: Deutschland trennt sich 1:1 von Serbien. Der Ex-Herthaner Marko Pantelic bringt die Serben durch einen souverän verwandelten Foulelfmeter in Führung. Miroslav Klose gleicht in der 87. Minute aus.
22. Juni: Diego Maradona überrascht die Fußballwelt und stellt Lionel Messi im Spiel gegen Griechenland als Innenverteidiger auf. „Ich wollte, dass wir hinten mehr spielerisch lösen“, begründet der Argentinier seine Maßnahme. Angelos Charisteas kann sein Glück kaum fassen und köpft vier Tore. Die Griechen gewinnen 4:3. Argentinien scheidet aus.
23. Juni: Das dritte deutsche Gruppenspiel. Ghana schlägt Deutschland 2:0. Kevin-Prince Boateng schießt kein Tor. Weil Marko Pantelic im Spiel gegen Australien zwei Elfmeter verschießt, kommt Deutschland trotzdem ins Achtelfinale.
25. Juni: Nordkorea zieht nach zwei weiteren Siegen gegen Portugal und die Elfenbeinküste mit neun Punkten ins Achtelfinale ein. Kim Jong-il legt eine Spielkonsole, Typ Sega Mega Drive, mit drei Spielen (Sonic the Hedgehog 1, Lemmings 2 und NHL 95) oben drauf. Die Spieler bedanken sich mit einer eilig einstudierten Dankes-Choreographie beim „Lieben Führer“.
27. Juni: Als Gruppenzweiter hinter Ghana zieht Deutschland ins Achtelfinale ein. Dort trifft die Mannschaft von Jogi Löw auf die USA, die überraschend die Gruppe C vor England gewinnen konnten. TV-Experte Jürgen Klinsmann warnt vor allem vor einem Mann: „Die Amerikaner haben in Landon Donavon einen Mann, der nach meiner festen Überzeugung auch bei einem Top-Verein in Europa spielen könnte.“ Die Deutschen gewinnen trotzdem 1:0, weil Miroslav Klose wie schon in der Vorrunde aus jeder Chance ein Tor macht. Aus Europa meldet sich nach der WM nur Dynamo Moskau bei Landon Donavon.
27. Juni: Viertelfinale. Deutschland trifft auf Frankreich. Der französische Trainer Raymond Domenech überwirft sich in der Nacht vor dem Spiel endgültig mit seinem Superstar Franck Ribéry, weil der ihm einen seiner berühmten Streiche spielt. „Bei Zahnpasta unter der Türklinke hört der Spaß auf“, sagt Domenech und schickt Ribéry nach Hause. Die französische Mannschaft spaltet sich in zwei Gruppen. Die eine („uns hat er Scherben ins Essen gemischt! Domenech soll sich nicht so haben!“) schlägt sich auf die Seite von Franck Ribéry, die andere („er hätte Domenech Gift in den Wein mischen sollen! Vor Jahren schon!“) begrüßt den Ausschluss. Die zerstrittenen Franzosen finden gegen Deutschland nie ins Spiel und verlieren 0:2. Der wie immer bei dieser WM stark aufspielende Piotr Trochowski trifft zweimal per Kopf nach Ecken von Bastian Schweinsteiger.
3. Juli: Vor dem Halbfinale Nordkorea gegen Deutschland gibt Dynamo Moskau die Verpflichtung der gesamten nordkoreanischen Nationalmannschaft bekannt. Sie ziehen in eine Trabantenstadt kurz vor Moskau, wo es ein bisschen aussieht wie in Pjöngjang. Zum Endspiel reicht es für die Neu-Moskauer aber nicht. Sie verlieren 0:1 gegen Deutschland (Torschütze: Klose). Kim Jong-il zieht im Zorn die Zusagen für Fernseher, Videorekorder und Sega Mega Drive wieder zurück. Und die Choreographie hätte ihm im übrigen auch nicht gefallen, fügt er beleidigt hinzu.
11. Juli: Im Finale gibt es den Klassiker Deutschland gegen England. Nach 120 Minuten steht es 1:1. Für Deutschland trifft Klose, für England Co-Trainer David Beckham, der sich kurz vor Ende der Verlängerung für einen Freistoß günternetzeresk selbst einwechselt Deutschland gewinnt das Finale im Elfmeterschießen gegen England. Der für das Elferschießen eingewechselte Jörg Butt hält drei Elfmeter, zwei schießen die Engländer über das Tor. Einen davon verknallt Beckham, weil er ausrutscht. Arne Friedrich („eine verrückte Saison, wirklich!“) reckt den WM-Pokal in den Johannesburger Nachthimmel. Miroslav Klose wird mit sieben Treffern Torschützenkönig und löst Ronaldo als besten WM-Torjäger aller Zeiten ab. Joachim Löw gibt nach dem Spiel seinen Wechsel zu Dynamo Moskau bekannt und will Miroslav Klose gleich mitnehmen. „Ich bin sicher, unsere Nordkoreaner werden Miro in der Spitze ordentlich mit Flanken füttern“, sagt Löw. Kevin Kuranyi bricht einsam in seinem Moskauer Penthouse in Tränen aus.
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